Mehr Gehalt – und die jungen Leistungsträger bleiben!?
November 18, 2009Andreas Steinert No Comments »Nichts da. Die Generation Y macht den heutigen Chefs einen Strich durch die viel zu einfache alte Rechnung.
Sie ist vorbei – nicht vorbei – vorbei – nicht vorbei – … – ja ist die Krise jetzt vorbei oder noch nicht? Mit der Antwort auf diese Frage entscheidet sich für die Planer der Personalbudgets 2010, ob zumindest für Leistungsträger Gehaltsteigerungen im nächsten Jahr möglich sind. Damit verbinden viele Führungskräfte die Hoffnung, junge, talentierte Nachwuchskräfte an ihr Unternehmen zu binden.
Motivationsfaktoren und Werte kennen und entsprechend führen
„Wenn wir wenigstens mal wieder Boni ausschütten könnten!“ Dieser Stoßseufzer eines CEOs im Zusammenhang mit seinem Problem, wichtige Nachwuchskräfte in der betreffenden Agentur zu halten, offenbart das Dilemma, in dem viele Führungskräfte stecken. Um Missverständnissen vorzubeugen: damit ist nicht das Dilemma gemeint, höhere Gehälter zahlen zu wollen, aber nicht zu können. Sondern das Dilemma, die Rahmenbedingungen der Personalführung zu setzen und Menschen zu führen, die man offenkundig nicht richtig versteht. Statt im Blindflug zu Führen empfiehlt sich genaueres Hinsehen, Nachdenken und die Neuprogrammierung des eigenen Auto-Piloten. Denn die Nachwuchs-Generation Y (Jahrgänge 1980 – 1993) unterscheidet sich in ihren Wert- und Erwartungshaltungen deutlich von den Führungskräften, die jetzt am Ruder sind.
Spaß, Begeisterung und Herausforderung sind unbezahlbar
Heutige Entscheider sind daher gut beraten, nicht einfach ihre persönlichen Motivationsfaktoren und Werte als Grundlage ihrer Führungsarbeit zu nehmen. Gute Anhaltspunkte, was junge Leistungsträger bei der Arbeit motiviert, was sie von ihrer Arbeit und ihren Führungskräften erwarten, liefert beispielweise die McKinsey-Studie “Most Wanted 2009″.
Bei den 3.000 befragten herausragenden Studenten aller Fachrichtungen liegen auf den ersten drei Plätzen die Kriterien “Spaß an der Arbeit”, “Begeisterung für Produkte” und “Herausfordernde Aufgaben”. Das Einstiegsgehalt hingegen landet erst auf dem dreizehnten Platz. Junge Leistungsträger natürlich nicht dauerhaft mit Niedrigstgehältern zu begeistern. Aber der materielle Gegenwert für Leistung hat für sie eben nicht mehr die herausragende Bedeutung wie für die vorherige Generation. Susanne Böhlich, Professorin für internationales Management bringt es in ihrem aktuellen Beitrag in der Fachzeitschrift „Personal“ auf den Punkt: „Sie wollen lernen, sie wollen interessante und bedeutsame Aufgaben haben und glauben, schnell signifikante Verantwortung übernehmen und wesentliche Beiträge leisten zu können.“
Anspruchsvolle Aufgaben, sichtbare Verantwortung, persönliches Feedback, emotionale Orientierung
Das alles verspricht aus meiner Sicht Innovation, Effizienz und Leistung – also das, was Unternehmen brauchen. Diese Ressourcen lassen sich aber nicht mehr einfach mit tollen Gehältern oder Boni erschließen. Was junge, talentierte Nachwuchskräfte an ihr Unternehmen bindet, sind anspruchsvolle Aufgaben, sichtbare Verantwortung, persönliches Feedback, emotionale Orientierung. Und Manager, die für eine kollegiale, freund(schaft)liche Lern- und Arbeitskultur sorgen.
Die Generation X kann die Generation Y schon verstehen. Sie muss aber daran arbeiten.
Sind Sie mit Ihren Führungskräften und Ihrer Führungskultur darauf eingestellt? Vor einigen Tagen sprach mich einer meiner Kunden darauf an, ob ich ein paar Gesprächsführungstipps für ihn hätte. Er sähe mit Unwohlsein dem Gespräch mit einer jungen, talentierten Mitarbeiterin entgegen. Und er fürchte, sie selbst mit seinem kleinen finanziellen Angebot nicht halten zu können.
Wir haben das mit den Tipps dann mal direkt bei Seite gelegt. Stattdessen sind wir der Frage nach unternehmerisch sinnvollen und für die Mitarbeiterin persönlich attraktiven Zielen nachgegangen. Da gab es sehr schnell klare Ideen. Um die Ziele zu erreichen, wird sie temporäre Führungsverantwortung in einem von ihr gesteuerten Projektteam übernehmen können. Außer dem im Projektplan vorgesehen Feedback ihres Vorgesetzten wird sie sich auch mit anderen Experten außerhalb des Unternehmens austauschen können. Hier hat die Generation X offenkundig die Generation Y zutiefst verstanden. Ich denke, diese Arbeit und dieser Aufwand lohnen sich und sind durch nichts zu ersetzen. Außer vielleicht durch einen Stoßseufzer „Wenn wir wenigstens mal ein Idee hätten, wie wir die jungen Talente für uns begeistern können!“

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