„Wir sind besonders!“
November 15, 2009Andreas Steinert No Comments »Wer sich von der Masse unterscheidet, hat das Zeug, sich erfolgreich zu positionieren. Diejenigen Dienstleister, die ihren Kunden den Unterschied dann auch noch verständlich machen können, haben beste Zukunftschancen im Kommunikations-markt. Was aber ist heutzutage noch besonders und wie entdeckt man das in seinem Unternehmen? Eine mehrteilige Expedition ins Normale und Alltägliche auf der Suche nach dem Besonderen.
Folge 1: Strategie, Ziel- und Umsetzungsplanung. „Wir sind ein besonderes Unternehmen“.
Ja, hoffen wir das mal. Dann haben Sie ja die besten Voraussetzungen, erfolgreich zu sein und vor allem auch zu bleiben. Beim leisesten Zweifel können Sie sich übrigens davon ganz schnell selbst überzeugen. Wenn Sie die Konfrontation lieben, dann fragen Sie doch mal ihre Kunden, warum die eigentlich bei Ihnen Kunden wurden und heute noch sind. Wenn Ihnen das zu riskant erscheint, machen Sie das gleiche lieber mit Ihren Führungskräften, Mitarbeitern und natürlich auch mit sich.
Pause _ . … _ Danke für den Test.
Sie sollten über das erste Ergebnis nicht allzu erschüttert sein. Denn die einfache Frage nach den besonderen Merkmalen ihres Unternehmens bringt die meisten Manager und Mitarbeiter ins Schleudern. Die schnellen Antworten „unsere Mitarbeiter“, „das Engagement“, „der Spirit“, „unser Angebot“, „unsere Kundenorientierung“ entpuppen sich bei Nachfragen nicht selten als triviale Kurzschlüsse. Verfügt der Wettbewerb nicht über diese vermeintlichen Besonderheiten? Wenn nicht, wodurch ist er dann so stark? Und wenn doch, was ist dann wirklich noch besonders an dem eigenen Unternehmen? Für wen eigentlich? Und was bedeuten Engagement, Spirit und Kundenorientierung überhaupt im Arbeitsalltag? Doch hoffentlich nicht die dreifache unfreiwillige Selbstaufopferung der Mitarbeiter?
Also noch einmal zurück. Die Frage nach dem Besonderen Ihres Unternehmens zielt zunächst darauf, über vermeintlich Selbstverständliches, Richtiges und Wahres noch einmal nachzudenken. Dabei helfen ganz normale Tools und ein strukturierter Prozess des Nach- und Vordenkens.
1. Die Leitsätze
Sein eigenes Geschäftsmodell klar zu sehen und das Zusammenspiel harter Fakten und weicher Faktoren in der Wertschöpfungskette wirklich zu durchschauen, setzt strategische Klarheit voraus. Hier empfiehlt es sich, zu den vier Perspektiven Finanzen, Positionierung, Abläufe und Kompetenzen Leitsätze zu formulieren. Welchen Grundsätzen folgen Sie mit Ihrem Unternehmen im Alltag, welche Ideen und Maßstäbe sind für Ihre Arbeit leitend und verbindlich? Beispiel Finanzen: hier geht es im Kern immer um Profit und Wachstum. Aber wie wollen Sie das in Ihrem Unternehmen erreichen? Durch Umsatzwachstum, Rentabilitätssteigerung, Kostenreduktion, Investitionen, um Kostenführerschaft, Differenzierung oder Fokussierung zu erreichen?
2. Die Ziele
Jede der vier Perspektive muss mit strategischen und operativen Zielen hinterlegt sein. Mit den einen Zielen definieren Sie, was für das Unternehmen erfolgsentscheidend ist, mit den anderen, worauf die Ziele im Detail ausgerichtet sind. Vergessen Sie nicht, die Ziele SMART zu formulieren und jeweils eine oder mehrere Messgrößen zu definieren. Dabei ist wiederum die Alltagstauglichkeit entscheidend, denn vom Dokumentieren und Messen ist noch kein Unternehmen gewachsen. Bevor Sie für jede unternehmerische Perspektive Ziele formulieren, sollten Sie sich fragen, welche Kernindikatoren die jeweilige Perspektive in Ihrem Unternehmen am treffendsten beschreiben und vor allem, welche der Kernindikatoren Sie eigentlich beeinflussen können.
3. Die Aktivitäten
Hier sind wir dann an dem entscheidenden Punkt: wie und mit welchen Ressourcen sollen die Ziele umgesetzt werden? Erst die Aktivitäten-Planung führt dazu, dass eine klare Strategie- und Zielorientierung auch zum unternehmerischen Erfolg beiträgt. Haben Sie diesen Punkt erreicht, eröffnet sich Ihnen die Möglichkeit, über Aktivitäten orientierte Zielvereinbarungen ihre Mitarbeiter mit einzubeziehen.
4. Die Zusammenhänge
Bleiben wir bei den Mitarbeitern und ihren Kompetenzen. Hier geht es unter anderem um Fragen des für eine erfolgreiche Marktbearbeitung notwendigen Wissens und Könnens. Haben Sie die richtigen Leute an Bord, welche Erwartungen haben Sie an deren Lern- und Entwicklungsperspektive? Wer sich damit konsequent auseinandersetzt, wird den Stellenwert von Wissen und Erfahrungen, Können und Lernen für das Unternehmen besser verstehen. So entstehen neue Blickwinkel auf Wertbeiträge und Potenziale von Mitarbeitern, die für den Erfolg entscheidend sind.
Wenn Sie dann auf die Frage nach den besonderen Merkmalen ihres Unternehmens beispielsweise mit „Unsere Mitarbeiter“ antworten, dann wissen Sie ganz genau, wie das Können des Einzelnen zum Erfolg des Ganzen beiträgt. Also wie das für die Kunden Besondere bei Ihnen zustande kommt (und sich von Ihnen beeinflussen lässt). Bleibt zum Ende noch eine Frage offen: wie bekommen Sie es hin, mit ganz gewöhnlichen Menschen besondere Leistungen für Ihre Kunden zu erbringen?
Damit beschäftigt sich dann die nächste Folge.

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