Karrierekiller Alter? Oder was jeder für eine dauerhafte Karriere tun kann.
November 3, 2009Andreas Steinert No Comments »Grassiert in deutschen Unternehmen eigentlich der Jugendwahn? Und werden fähige Alte entlassen, damit Nachwuchskräfte teure Fehler machen können?
Der Wirtschaftsethiker Ulf D. Posé vermutet in seiner Manager Seminare Kolumne ‘Der ethische Kompass’ ein weit verbreitetes „ verwerfliches Menschenbild“ hinter einer Personalpolitik, die Jung einfach gegen Alt austauscht. Mit diesen Fragen muss sich sicherlich auch die Kommunikationsbranche auseinandersetzen. Wenn ich mich im Kreis ehemaliger Kunden und Kollegen umschaue, beobachte ich tatsächlich, dass in letzter Zeit viele Ältere gehen oder gegangen werden. Ich bezweifel aber, dass das in dieser eher „jungen“ Branche irgendetwas mit dem Alter zu tun hat oder gar mit einem dort dominanten „verwerflichen Menschenbild“.
Alt ist teurer als Jung
Kommen wir mal direkt zu den Fakten: 50+ x-Jährige sind in der Regel teurer als 30-Jährige. Das ist das, was jeder Manager sofort seiner Excel-Tabelle entnehmen kann. Und an diesem Punkt ist die von Ulf Posé geforderte „Güterabwägung“ leider häufig schon zu Ende, bevor sie überhaupt angefangen hat. Wenn es finanziell eng wird, dann werden viele Entscheidungen völlig unabhängig vom Alter, rein an Gehaltskosten orientiert getroffen. Das ist möglicherweise unklug, aber nicht unethisch.
Wir können uns an dieser Stelle natürlich über den eindimensionalen Entscheidungsmodus empören. Das hilft allerdings eben so wenig weiter, wie Alt (der „gute“ Alte) gegen Jung (der karriereversessene „Jungspund“) auszuspielen. Oder Managern erst einmal eine ethisch „verwerfliche“ Grundhaltung kombiniert mit grassierendem Jugendwahn zu attestieren.
Wer ist für das Unternehmen wichtig?
Eine ethische und zielorientierte Güterabwägung braucht zunächst die Fähigkeit, Excel-Tabellen und Gehaltslisten nicht mit Marktrealität und Chancen-Risiko-Profilen zu verwechseln. Eine ausgewogene Entscheidungsfindung könnte dann beispielsweise so aussehen, dass Manager sich zumindest folgende fünf einfache Fragen stellen:
- Wer trägt zu effektiven Ergebnissen bei, indem er lösungsorientierte Vorschläge bringt, anstelle endlose Problemanalysen und –diskussionen anzuzetteln?
- Wer arbeitet besonders effizient, indem er mit einem minimalen Einsatz an personellen, psychischen, materiellen und finanziellen Ressourcen zu diesen Ergebnissen kommt?
- Wer ist eine Quelle von Informationen und Inspirationen für seine Kollegen oder sein Team, wer teilt bereitwillig seine Erfahrungen und sein Wissen?
- Wer packt auch in schwierigen Situationen Projekte und Aufgaben an, anstatt Abzutauchen oder Politik zu machen?
- Wer ist lernbereit und –fähig und adaptiert geschickt neue Trends und Entwicklungen, ohne jeder Mode oder jedem Hype blind zu verfallen?
Kurz: wer ist besonders wertvoll für das Unternehmen, weil er Verantwortung für machbare, funktionierende und neue Lösungen übernimmt und trägt?
Dauerhafte Karriere bekommt man nicht, sondern macht man
Ethisches und zielorientiertes Handeln fordert aber nicht nur das Management sondern auch den Arbeitnehmer. Stellen wir uns mal einen „frischen“ 55-Jährigen mit Blick auf die fünf Entscheidungsfragen vor, dann sehen wir, dass er gegenüber der jüngeren Konkurrenz echte Erfahrungsvorteile ins Feld führen kann. So könnte er den „Nachtteil“ des höheren Gehalts locker kompensieren.
Das geht aber nur dann, wenn er nicht über all die Berufsjahre und miterlebten Entwicklungen zum distanzierten Betrachter oder abgebrühten Zyniker geworden ist. Wer in einem Unternehmen dauerhaft Karriere machen möchte, der muss seine professionellen und sozialen Kompetenzen auch dauerhaft sichtbar und wirksam zu Verfügung stellen. Nur so haben alle etwas davon: die Jungen, die Alten, das Unternehmen, die Mitarbeiter. Alter ist also kein „Karrierekiller“, aber Bequemlichkeit und eingefahrenes Denken und Handeln sind es mit Sicherheit. Auf der einen wie auf der anderen Seite.

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